BAG Bundesarbeitsgericht Erfurt, 1995 - 1999 1.Preis + Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau in 2000
Das viergeschossige Dienstgebäude wurde 1996-99 am Fuße der barocken Festungsanlage am Petersberg auf der der Stadt abgewandten Seite der gründerzeitlichen Stadterweiterung errichtet. Im Umkreis der Zitadelle befinden sich städtebauliche Solitäre wie das Amtsgericht und die Bebauung auf dem Domberg. In dieser Logik versteht sich auch das Bundesarbeitsgericht. Der kompakte Baukörper um zwei Innenhöfe ermöglicht einen großen Freiraum, der im Zusammenhang mit der Parkanlage am Petersberg steht. Der Landschaftsarchitekt Prof. Dieter Kienast hat diesen als Stadtgarten entworfen, der in seiner Freiheit einen Dialog zur Strenge des Hauses aufbaut. Er nimmt wichtige Teile der ehemaligen Festungsanlage im Sinne einer kritischen Rekonstruktion auf, ohne dabei die Höhenentwicklung nachzubauen. Mit einer Ecke steht das Gebäude in einem scharfkantig angelegten Seerosenweiher und spiegelt sich in der ruhigen Wasseroberfläche. Die Haltung des Gebäudes für das Bundesarbeitsgericht befindet sich im Spannungsfeld zwischen Repräsentation und Bürgernähe. Dies wird in einer Abfolge von unterschiedlichen Räumen mit unterschiedlichen Lichtqualitäten beschrieben. Auf den stirnseitig erschlossenen offenen Eingangshof folgt der niedrige Eingang mit der Sicherheitskontrolle, an den das zweigeschossige Foyer anschließt, von dem aus alle öffentlichen Bereiche des Hauses erschlossen werden. Von hier aus geht der Besucher eine flache Rampe hinab zu den Verhandlungssälen. Im ersten Obergeschoss befindet sich das „Gedächtnis“ des Bundesarbeitsgerichtes, die größte arbeitsrechtliche Bibliothek in der Bundesrepublik. Die Hülle des Hauses besteht aus einer 50 cm tiefen, tragenden, schlank dimensionierten Pfosten-Riegel-Betonfertigteilkonstruktion. Jedes Achsraster dieses Skeletts ist zu einem Drittel auf je wechselnden Seiten und geschossweise versetzt mit einem raumhaltigen Paneel aus Theumaer Fruchtschiefer ausgefacht. In diesen Steintaschen sind Glasschiebeläden untergebracht, die mit einem Endlos-Schriftband (-dem 1.Artikel des Grundgesetzes-) emailliert wurden und die als Sonnen- und Blendschutz individuell vor die Fenster gefahren werden. Das feine Farbenspiel der übereinander liegenden Glasscheiben, das je nach Benutzung unterschiedlich ausfällt, vermittelt trotz der strengen Fassade als Ausdruck der Würde des Hauses ein lebendiges Bild als Ausdruck der Individualität der darin wirkenden Menschen. Die Kunst am Bau ist als integraler Bestandteil des Hauses frühzeitig durch einen beschränkten Wettbewerb in den Entwurfsprozess einbezogen worden. Die unterschiedlichen Arbeiten stammen von: Jürgen Partenheimer, Rémy Zaugg, Veronika Kellndorfer, Katharina Grosse, Ricardo Saro. Bruttogeschossfläche (BGF): 17.500 qm