Eine flächenmäßig große Behörde in ein bestehendes Stadtgefüge zu integrieren ist ein diffiziles Unterfangen. Die Baumassen, die hermetische Abtrennung vom öffentlichen Raum und die geringe Vernetzung mit der Stadt lassen solch ein Bauwerk wie einen Fremdkörper in der Stadt erscheinen. Aus diesen Gründen scheint der ausgesuchte Standort gut gewählt zu sein, da auch zu früheren Zeiten hier sowohl mit dem Krankenhaus als auch mit der Kaserne in der Umgebung großmaßstäbliche Nutzungen vorhanden waren. Das Haus reflektiert städtebaulich die ortstypische Kombination aus der orthogonalen Ausrichtung und einem Wechsel von axialen Bezügen und Versätzen. Der Neubau für das Bundespolizeipräsidium in Potsdam ist ein organisatorisch und flächenmäßig hocheffizientes Verwaltungsgebäude, das in seinem Äußeren mit den gegliederten Ziegelfassaden den Duktus des Ortes aufnimmt. Auch die Verteilung der Baumassen lässt zu allen Seiten das Gebäude mit differenzierten Baukörpern erscheinen, obwohl der Sicherheitsaspekt absolute Priorität besitzt. Im Zentrum des gestaffelten Gebäudekomplexes steht ein fünfgeschossiger Baukörper, der zu beiden Seiten, Ost wie West, Orientierung für die Ankommenden bietet und sie zu den beiden Eingängen leitet. Von Westen führt ein zweigeschossiger Durchgang, der auch als Protokollzufahrt dient, in den Ehrenhof in der Mitte des Hauses, an den sich eine wiederum doppelgeschossige Eingangshalle anschließt, die sich beidseitig öffnet. Ihr ist im Osten, auf der anderen Zugangsseite, ein Birkenhain als sehr präsenter, aber unaufdringlicher Gedenkort vorgelagert. Im Nordwesten vermittelt das historische Haus 17 zur Nachbarschaft. Durch die Einbindung in die Umfahrung wird es deutlich dem Neubau zugeordnet, bewahrt sich aber zugleich im Inneren durch die eigenständige Nutzung durch Personalrat und Seelsorge eine Autonomie und schafft nach Außen durch seine bauliche Verwandtschaft mit den Nachbarn die Verbindung über den Zaun hinweg. Das Bauvolumen des Bundespolizeipräsidiums ist um drei Höfe angeordnet. Neben dem zentralen Ehrenhof ist der nördliche Hof geprägt durch das FLD und der südliche durch die Bibliothek, die sich jeweils im Erdgeschoss in die Höfe vorschieben und so abgestufte Grünflächen entstehen lassen. Im Inneren gibt es eine klare Erschließungsstruktur mit Etagenfoyers beidseits der Eingangshalle und hellen informellen Kommunikationszonen, die jeweils verbunden mit Teeküchen und als Aufweitungen der Flure in den Außenecken die Orientierung unterstützen. Das neue Bundespolizeipräsidium ist als klassischer Massivbau aus Stahlbeton und Mauerwerk mit ökonomischen Spannweiten unter Verwendung ökologisch unbedenklicher Baustoffe konzipiert. Es präsentiert sich mit seinen solide gemauerten Fassaden selbstbewusst und unaufgeregt. Die ruhige Gliederung der Öffnungen signalisiert mit den schmalen Öffnungen im Sockel die Sicherheit des Hauses. Der lebendige Ziegel aus örtlichem Ton erdet es. Und es ist in seiner Grundstruktur als Zweibund mit einer durchgehenden lichten Geschosshöhe von drei Metern bei allen denkbaren wechselnden Nutzungsanforderungen auf Dauer angelegt.
Bundespolizeipräsidium, Potsdam, 2014 Wettbewerb, engere Wahl