DJE Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin 1998 einer der 4 ersten Preise
Geschichte ist mit Mahnmalen, Gedenkstätten und Vergangenheitsbewältigungsversuchen aller Art nicht ungeschehen zu machen. Die Schrecken des Holocaust sind unmöglich in einem Denkmal darzustellen. Mit diesem Entwurf ging es darum, einen Ort zu schaffen, an dem jeder Besucher Bilder des Geschehenen und darüber zu seinem eigenen Gedenken findet. Der Ort für das Denkmal wurde heftig kritisiert. Weder ein historischer, noch ein stadträumlicher Bezug verleihe dem Ort die gewisse Berechtigung zur Errichtung dieses Denkmals, so die Kritiker. Diese Argumentation wurde aber der zukünftigen Lage des Grundstücks nicht gerecht: Reichstag, Brandenburger Tor, Botschaft der USA, Landesvertretungen, der Leipziger und Potsdamer Platz sowie der Tiergarten flankieren das Grundstück. Die Bedeutung dieser Nachbarn entspricht der Bedeutung dieses Denkmals. Der Besucher des Denkmals betritt eine schiefe Ebene, auf der Steinblöcke als Bild für das versprengte und ermordete Volk wie zufällig verstreut liegen. Er bewegt sich nach unten durch die Kubenwelt, entdeckt Räume und Beziehungen zwischen den Körpern. Die Steine bieten dem Besucher um so mehr Schutz vor Lärm und Hektik der Stadt, je mehr er in dem Denkmal „versinkt“. Dieses Eintauchen in den Raum ist auch im übertragenen Sinne zu verstehen. Der Boden der gesamten geneigten Fläche ist mit hellem Kies belegt, so dass die Schritte der Besucher hörbar und sichtbar werden. Die einzelnen Steinblöcke kommen aus je einer Region Europas, aus der die ermordeten Juden stammten. Die Farbigkeit der Steine bewegt sich in einem Spektrum von weiß, beige, grau. Die riesigen Steinblöcke sind aus groben Quadern zusammengefügt. In den Fugen können sich Gräser und Moose ansiedeln und kleine Andenken hineingesteckt werden. An der Stirnwand der Anlage ist der Ort des Innehaltens und auch der Kranzniederlegung bei offiziellen Anlässen. Durch den zur Pfeilerreihe aufgelösten Wandabschnitt gelangt der Besucher zu einer nach oben führenden Treppe. An deren Ende wirft er den Blick zurück auf die Steinblöcke. An diesem Standort fügen sie sich durch die perspektivische Verzerrung, analog dem Schädel auf dem Bild „Die Botschafter“ von Holbein, zu einem sehr abstrahierten Davidstern zusammen. Dies soll Zeichen der Hoffnung sein, dass durch Gedenken aus Zerstörung ein Spross des Gemeinsinns erwachsen möge.