EMBW Ehrenmahl der Bundeswehr Berlin, 2007
Das Denkmal, das nicht nur Offizieren und Feldherren gilt, ist ein Produkt der Neuzeit. Aber die baulich manifestierte Ehrerweisung hat sich im Laufe der kurzen Zeit in Wahrnehmung und Gebrauch stark verändert. Friedrich Wilhelm III erließ am 5. Mai 1813 die „Verordnung über die Stiftung eines bleibenden Denkmals für die, so im Kampfe für Unabhängigkeit und Vaterland blieben.“ In ihr heißt es u. a.: „§. 1. Jeder Krieger, der den Tod für das Vaterland in Ausübung einer Heldenthat findet, die ihm nach dem einstimmigen Zeugnis seiner Vorgesetzten und Kameraden den Orden des eisernen Kreuzes erworben haben würde, soll durch ein auf Kosten des Staats in der Regimentskirche zu errichtendes Denkmal auch nach seinem Tode geehrt werden.“ Diese Verordnung spricht von Kriegern, Heldentaten, und Eisernem Kreuz, Begriffe die den Duktus des ehrenden Gedenkens heute nicht mehr treffen. Das Gedenken an kriegerische Heldentaten steht heute nicht im Mittelpunkt. Aber auch heute setzen sich Soldaten im Dienst immer Gefahren aus, die den Tod als letzte Konsequenz nicht ausschließen. Mit dem Pathos und der Formensprache der Kriegerdenkmale früherer Zeiten kann dem gewandelten Bild nicht begegnet werden. Es ist nötig einen neuen Typus von Ehrenmal zu entwickeln, der die Wertschätzung der Gesellschaft und des Einzelnen zum Ausdruck bringt, ohne eine fragwürdig gewordene Symbolsprache zu verwenden. Neben dem öffentlichen Gedenken im Rahmen von offiziellen Veranstaltungen soll auch dem privaten Gedenken Raum gegeben werden. Die offiziellen Gedenkfeiern wenden sich dem Platz zu, das Ehrenmal und die Fahnen werden als eine Einheit gelesen. Dadurch wird deutlich, dass auch die Toten Teil dieser Einheit sind. Der vorgeschlagene Kubus bezieht sich in seiner Grundfläche genau auf die Raster des Appellplatzes, den Toten wird sozusagen ein weiterer Quadrant gewidmet. Das Ehrenmal ruht auf seiner Widmung, die Teil der darüber aufgehenden Wände ist. Das private Gedenken findet im Inneren des Kubus statt. Von der Hildebrandstrasse aus kann man über eine Treppe oder eine Rampe, von Hecken flankiert, den Kubus begehen. Man steigt hinab in den Boden, das Hinabschreiten blendet auch die sehr heterogene Umgebung aus. Hier gelangt man in den Gedenkraum, der nach oben hin offen, den Himmel als den oberen Abschluss mit einbezieht. Der leere Raum steht für die verlorenen Soldaten. In der Nahtstelle zwischen dem Gedenkraum und dem Himmelsraum steht die Widmung des Ehrenmals. Die Zwischenräume der Buchstaben sind offen. Am Tag kann hier Licht wie durch ein Fries hindurch fließen; in der Nacht ist der Raum zwischen den Buchstaben erleuchtet. Der Kubus steht auf einem Lichterkranz und leuchtet nach oben. Die vorgeschlagene Widmung stammt aus dem Gedicht von R.-M. Rilke „Der Fahnenträger“- In einem weiteren Verfahren soll über den genauen Wortlaut diskutiert werden. „Und für die Andern ist das Mut und Ruhm.“ R.-M.Rilke