Jede Stadt hat ihre eigenen städtebaulichen Gesetzmäßigkeiten. Diese zu verstehen und sie mit jedem neuen Projekt weiterzuschreiben, gewährleistet die Entwicklung des Stadtkörpers zu einem homogenen Ganzen. Dabei sind nicht Weiterentwicklungen und Innovationen ausgeschlossen. Ein moderner neuer Baustein, der sich dem Ganzen unterordnet ist wertvoller für die Stadt als die Primadonna. In manchen Orten steht eine Primadonna neben der Anderen und es bleibt keine Luft zum Atmen. Der Neubau für das Finanzamt wird mit dem bestehenden Bauteil zu einem wichtigen Zentrum in Biberach. Unter Einbeziehung des Altbaus soll eine Baumasse auf dem Grundstück geplant werden, die in einem Baukörper untergebracht, den Maßstab des Ortes sprengen würde. Wir haben mit den Giebelhäusern und ihren Satteldächern sowohl die bestehende Körnung, als auch die vorgegebenen Kubaturen zum Vorbild genommen, um die Neubauten an den Traditionsstrang des Ortes anzufügen und dennoch diesen einen modernen, zeitgenössischen Duktus zu verleihen. Die Baumasse des Finanzamtes wird in drei gleichwertige Baukörper verteilt, wobei ein Teil davon im Altbau untergebracht ist. Die drei Protagonisten sind um eine gemeinsame Mitte angeordnet. Hier liegen alle zentralen Dienste. Alle Gebäude sind somit gleichwertig in das Gesamtgefüge eingebunden. Es entstehen keine A und B-Lagen innerhalb des Finanzamtes. Alle Gebäudeteile sind barrierefrei erschlossen. Der Besucher betritt den Haupteingang und wird im zentralen Bereich empfangen. Alle Zugänge zum Finanzamt Biberach münden in diesen zentralen Verteiler. Von hier aus wird der Besucher zu seinen Ansprechpartnern geschickt. Alle zentralen Einrichtungen und Gemeinschaftsbereiche sind nah am Eingang gelegen. Die darüber liegenden Büros entsprechen modernen Büroorganisationen und Kommunikationsanforderungen. Wegen des hohen Grundwasserstandes haben wir auf die Errichtung eines Kellers verzichtet. Dies schlägt sich besonders positiv in den Baukosten nieder. Die erforderlichen Aktenräume haben wir in den Giebelräumen untergebracht. Der Glasanteil in der Fassade liegt unter 40%, was Vorteile im sommerlichen Wärmeschutz nach sich zieht. Die Fassade wird mit einem ortsüblichen hellen Naturstein verkleidet. Diese Verkleidung zieht sich auch über das Dach der Gebäude, was den skulpturalen Charakter der Baukörper unterstreicht. Das Detail ist schon mehrfach gebaut worden. Alternativ ist aber auch ein konventionelles Ziegel- oder Titanzinkblechdach denkbar. Der Neubau für das Finanzamt Biberach wird unter Nachhaltigkeitsaspekten und seiner architektonischen Eleganz einen ganz neuen Duktus in die Verwaltungsneubauten in Deutschland bringen. Bruttogeschossfläche (BGF): 4.225 qm
Finanzamt, Biberach, 2011