KTT Entree Kaiserthermen Trier, 2003
Eigentlich ist alles ganz einfach: Toiletten für die Besucher, zwei Büros, etwas Lagerfläche und ein Kassen- und Informationsbereich. Doch bei der Aufgabe der Neugestaltung des Eingangsbereichs der Kaiserthermen spielt der Ort und die daran haftende Geschichte eine maßgebliche Rolle. Mit einem Mal ist jede bauliche Maßnahme mit Bedeutung beladen, die keine Entsprechung in deren Inhalt finden kann. Kein Haus würde der Macht der vorhandenen Mauern standhalten. Aus diesem Grund haben wir das Entree als begehbare Skulptur formuliert: ein transluzenter oder hell strahlender Balken, der über den alten Mauern schwebt. Die Haut wird als lateinisches Schriftrelief gebildet, dessen Text in der Übersetzung lautet: „Jetzt muß ich endlich das waffenmächtige Gallien rühmen und die Kaiserstadt Trier, die trotz der Nähe des Rheines ohne Gefahr im Schoße des tiefsten Friedens sich ausruht, da sie die Kräfte des Reiches bekleidet, ernährt und bewaffnet. Weithin ziehn sich die Mauern der Stadt am Fuße des Hügels; breit fließt hier vorbei gemächlichen Laufes die Mosel, bringt von weither die Güter der alleserzeugenden Erde.“ Genau über den Abdrücken der nördlichen Randbebauung positioniert, ermöglicht das Eingangsgebäude die äußere Vernetzung der Kaiserthermen mit der Umgebung sowie die innere Vernetzung der zuvor voneinander getrennten Palästra und Badebereich. Aus dem Palastgarten kommend betritt man auf dem Niveau der Römerstraße das Gebäude und steigt auf einer flachen Rampe im zentralen, in milchiges Licht getauchten Eingangsraum auf. Hier kann man in einer kleinen Ausstellung erfahren, dass nicht nur die Kaiserthermen als solche auf diesem Flecken Erde gebaut wurden. Die Vielschichtigkeit kann durch Blickröhren in kleinen Bau-werksausschnitten der verschiedenen Epochen, wie der römischen Palastaula, des Kasernenbad, der mittelalterlichen Stadtmauer, der barocken Residenz und des neuzeitlichen Hochhauses erlebt werden. Die in den O’s verborgenen Fenster unterstreichen den angestrebten abstrakten Charakter des Gebäudes. Der Austritt aus dem Gebäude auf die Begrenzungsmauern Thermenanlage - Palästra bildet mit best möglichem Ausblick und damit Verständnis um die Ausdehnung der gesamten Anlage zugleich den Ausgangspunkt für den Rundgang. Die Einfriedung der Anlage wird über einen „liegenden“ Zaun realisiert. Der breite Streifen von undurchdringlicher Hecke mit integriertem Zaun schafft einerseits die gewünschte Abtrennung, erhält andererseits die ungestörte Vernetzung des Ortes mit seiner Umgebung und vermittelt in der Fläche die räumlichen Ausmaße der Randbebauung der Palästra. Als Pflanzart schlagen wir Osmanthus burkwoodii (Duftblüte) vor, ein immergrünes Gehölz, das sich gut für den kubischen Schnitt eignet, früh im Jahr weiß blüht und intensiv duftet. Der Entwurf ist geprägt von großem Respekt dem Vorhandenen gegenüber und der Gewissheit, mittels eines präzisen und kraftvollen Eingriffs dem Gestern ein Heute gleicher Qualität entgegenzusetzen. Bruttogeschossfläche (BGF): 450 qm