Das bestehende Haus mit Sockel, aufgehender Wand mit Lochfassade, Lisenen, Kapitellen und dem Dachabschluss ist in sich abgeschlossen und jeder Dachaufbau bringt die ausgewogene Tektonik des Hauses durcheinander. Daher scheint die einzige Möglichkeit des Weiterbauens in der Ergänzung einer Gebäudeschicht zu liegen, die als abstrakte Laterne hinter dem Altbau aufragt und ganz bewusst neben dem Altbau steht und diesen nicht krampfhaft aufstockt. Die besonders schlanke Stahl-Glaskonstruktion und die feine Abtreppung der Laterne unterstützt diese Haltung. Im Inneren haben wir durch Einfügung eines neuen Gartens erreicht, dass alle öffentlichen Räume im Erdgeschoss über natürliche Belichtung und einen Bezug nach Draußen verfügen. Die Neuorganisation des Grundrisses ermöglicht einerseits sämtliche internen Verbindungen. Alle Gebäudeteile werden miteinander vernetzt und sind gemeinsam für große Veranstaltungen nutzbar. Aber auch die räumlich klare Trennung von Goethe Institut und Landesvertretung ist klar ablesbar. Alle Gebäudeteile sind unabhängig voneinander bespielbar. Der große Veranstaltungssaal mit seiner Ausrichtung zum Garten, aber auch durch seine Oberlichter wird zum Zentrum des Hauses und auch lange Konferenztage sind dank der exzellenten Belichtung gut zu ertragen. Die Oberlichter verleihen dem Raum durch die unterschiedlichen Neigungswinkel einen lebendigen Eindruck da die Flächen unterschiedlich das Licht reflektieren. Die Verdunklung des Raumes erfolgt in der Glasebene. Auch die kleineren Besprechungsräume gruppieren sich um einen kleinen Garten und sind nicht mehr lediglich über das bestehende Foyer belichtet. Der Grundriss für das Goethe Institut zeichnet sich durch hohe Flexibilität und klare Zuordnungen aus. Auch die Vernetzung von Alt- und Neubau wird sichergestellt und eine behindertengerechte Erschließung des Baus durch einen Aufzug gewährleistet. Mit dem „Neubau hinter dem Altbau“ wird ein Stadtbaustein hinzugefügt, der den bestehenden Altbau respektiert und durch die zarte aufsteigende Laterne diesen veredelt: So entsteht neue Architektur für Brüssel, ohne die Substanz der Vorväter zu zerstören, wobei die Summe mehr ist als die Addition der Einzelteile. Bruttogeschossfläche (BGF): 4.214 qm Bauherr: Vermögen und Bau Baden-Württemberg
Landesvertretung Baden-Württemberg, Brüssel, 2013 - 2019 Wettbewerb, 1.Preis in Realisierung