LKA Erweiterung des Evangelisch- Lutherischen Landeskirchenamts in München
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile Mit dem Neubau wird ein weiterer Einzelbaukörper hinzugefügt. Einer modernen und innovativen Verwaltung steht dieses städtebauliche Ensemble aus organisatorischen Gründen entgegen. Lange Wege, wenig informelle Kommunikation und der Mangel nicht behindertengerecht erschlossen zu sein, sind die vordringlichen Probleme, die es neben der Errichtung eines Erweiterungsbaus zu lösen gilt. Auch die Einfahrt der Tiefgarage, tief im Grundstück liegend, degradiert den Anschluss zum Königsplatz zur Einfahrtsschneise. Mit der zusätzlichen Bereitstellung weiterer Stellplätze in der Tiefgarage würde dieser wunde Punkt noch weiter verschärft werden. Eine grundsätzliche Veränderung der Verkehrswege, des motorisierten als auch des Fußgängerverkehrs im Areal schafft die Lösung aller beschriebenen Probleme. Zentraler Entwurfsgedanke ist die Schaffung einer Magistrale im Erdgeschoss, ein leichter, transparenter Bau, der alle Vertikalerschließungen der einzelnen Baukörper zu einem komplexen, zusammenhängendem Organismus verknüpft. Anklänge an einen Kreuzgang zum Flanieren sind durchaus intendiert. Die so entstehenden Gärten und das umgebende parkartige Grün werden den zentralen Erschließungsraum zu dem Begegnungsraum machen, der heute fehlt. Die zentralen Besprechungsräume und die Cafeteria profitieren von dem neu entdeckten Grünraum, denn bei genauer Betrachtung wird der grüne Garten heute zwar geschätzt aber nicht wirklich genutzt. Dies wird durch die neue Erschließung sicherlich anders werden. Der Zugang zum Landeskirchenamt verbleibt an der bestehenden Stelle im Gebäude 13. Mit wenigen behutsamen Eingriffen haben wir für einen etwas größeren und angemessenen Ort des Ankommens geschaffen, damit die Besucher nicht nur in einem Flur empfangen werden müssen. Über das schöne, ovale Treppenhaus in die Magistrale erreicht man barrierefrei jede Ebene in jedem Gebäude. Durch eine neue Zufahrt der Tiefgarage an der Karlstrasse haben wir das Grundstück von den einfahrenden Fahrzeugen befreit, die durch die Erhöhung der Anzahl der Stellplätze noch zusätzlich belastet wäre. Die alte Zufahrt wird geschlossen und lediglich mit den bestehenden Stellplätzen und der Feuerwehrzufahrt belegt. Der Neubau ist der Eckstein des Areals zur Stadt. Die neue Bebauung an der Karlstrasse mit dem Dach bezieht sich auf die Einzelbebauung in der Maxvorstadt und versteht sich als ein Chorsänger und nicht als Primadonna. Der Einfügung in das Ensemble wird hohe Priorität geschuldet. Mit der Fassade aus Terrazzobetonfertigteilen und den Holzfenstern in einer Pfostenriegelkonstruktion wird die Ecke jedoch durch die feine Detaillierung als nachhaltiges und innovatives Gebäude geplant. Diese lässt sich im Wettbewerb nur erahnen, für das Gelingen eines solch zurückhaltenden Gebäudes wird es jedoch unerlässlich sein. Die grazile Glaskonstruktion des Verbindungsganges scheint zu schweben und steht im Kontrast zu den steinernen Gebäuden die er verbindet. Im Inneren des Neubaus haben wir unter Ausnutzung der baurechtlichen Möglichkeiten eine gut organisierte Verwaltungsstruktur geplant. Hohe Flexibilität und ein sehr effiziente Ausnutzung der Möglichkeiten ermöglichen die Freihaltung des rückwärtigen Grundstücks. Die hohe freiräumliche Qualität mit Park und den Gärten, die nun auch durch die neue Erschließung wahrgenommen wird, ermöglicht der Verwaltung eine Nutzbarkeit im Alltag aber auch für Feste und offizielle Anlässe, die bis dato in dem grünen Hinterhof nicht in diesem Maße möglich war. Gebäude und Landschaft Das Evangelische Landeskirchenamt in der Maxvorstadt München liegt prominent, doch in sich geschlossen und der Öffentlichkeit derzeit kaum zugänglich. Die Bereiche zwischen den einzelnen Gebäuden an der Katharina-von-Bora-Strasse werden in dem hier vorgelegten Entwurf öffentlich zugänglich gemacht, so dass es Passanten ermöglicht wird, bis an den transparent gestalteten Kreuzgang zu treten. Von der Strasse aus ergeben sich grüne Fenster am Ende der unterschiedlich langen und breiten Gassen. Herzstück der Anlage ist der Kreuzgang in Verbindung mit dem neuen Garten des Landeskirchenamtes. Geschwungene Natursteinwege führen die Mitarbeiter durch weite Rasen- und Staudenflächen, Sitzbänke laden zu Pausen und Gesprächen ein. Wege verengen und weiten sich zu kleinen Plätzen, und bilden ein flexibles Netz, welches sich um die Gebäude legt und aus vielen Einzelteilen ein großes gemeinsames Ganzes formt. Die Bestandsbäume werden zum großen Teil erhalten und bilden ein kraftvolles Element in dem neuen Garten. Sie werden unterpflanzt, mit neuen Bäumen ergänzt und in den neuen Garten präzise integriert. Die neugepflanzten Baumarten passen sich ihrem jeweiligen Standort an. Im Bereich des Naturdenkmals im Norden, werden die bestehenden heimischen Bäume mit den gleichen Arten ergänzt, hier finden sich u.a. Robinien und Eschen, während im Zentrum des Gartens vor allem blühende Gartenbäume wie Magnolie oder Kirsche, sowie Bäume mit faszinierendem Herbstlaub wie der Tupelobaum geplant sind. Der Innenhof im Gebäude Nr. 13, an vier Seiten von Arkaden gefasst, wird geprägt durch den großen bestehenden Spitzahorn und einen zum Baum hin aufbrechenden Natursteinbelag - ein mannigfaltiger Ort. Es kann ein Ort der Ruhe und Kontemplation sein, in welchem man auf einem der Stühle lange alleine bleiben kann, er ist das Zentrum des Wandelganges, die Verbindung zwischen Gebäude und Garten. Er kann jedoch auch für Veranstaltungen genutzt werden. Als eine große offene Fläche bietet er eine ideale Kulisse für Empfänge, Vorträge, Sektempfänge oder sonstige Events. Durch die etwas offen gehaltene Fläche südlich des Hofes ist es möglich, größere Veranstaltungen auch bis in den Garten hinaus zu ziehen und eine große Anzahl von Besuchern unproblematisch empfangen zu können. Die orthogonalen Wege abgeleitet, aus dem Königsplatz im Norden des Areals erschließen das Grundstück für die Feuerwehr sowie die Besucher, für die sich Parkmöglichkeiten auf der Westseite der Gebäudes Nr. 13 befinden. Die Flächen sind mit einem Farbasphalt gestaltet, welcher sich optisch dem Belag der Wege auf dem Königsplatz anpasst und somit die Einheitlichkeit der Wege gewährleistet. Innerhalb des geschlossenen Bereiches erschließt das Wegenetz aus Naturstein alle Bereiche, bietet offene Flächen, Spazierwege, Pflegewege zwischen bepflanzten Bereichen, Zugänge und Ausgänge. DIe öffentlichen Gassen, von der Katharina-von-Bora-Straße kommend, sind ebenfalls Erschließungsarme. Hier sind die Fahrradständer dezent untergebracht sowie Zugänge zu den Gebäuden und zum Kreuzgang erreichbar. Mit den beschriebenen Systemen sind kurze Wege und schnelle Verbindungen von innen nach außen gewährleistet.