Die Länderpavillons auf der Biennale in Venedig sind eigentlich ein Anachronismus. Nationalstaatliches Denken und Abgrenzung entsprechen heute nicht mehr dem Bedürfnis einer globalisierten Welt, in der die Freiheit der Kulturschaffenden, seien es bildende Künstler, Filmschaffende oder Architekten an Ländergrenzen nicht halt macht. Bei der Bespielung der Länderpavillons haben die Kuratoren schon auf diesen Wandel reagiert. Ai Weiwei im deutschen Pavillon, der Tausch des deutschen und des französischen Pavillons und die schweizer Kuratoren im deutschen Pavillon lassen die nationale Ausrichtung der Pavillons in den Hintergrund treten. Die Ausstellung in den Giardini und der ganzen Stadt wird als ein Statement der internationalen kulturellen Szene gelesen. Auch städtebaulich sind die Giardini ein Anachronismus. Direkt an der Wasserkante gelegen, schottet sich das Gelände förmlich von der Schauseite ab, als gelte es die Konzentration der Besucher mit allen Mitteln auf die Kunst zu richten. Kein Blick auf die Serenissima, die vorbeiziehenden Schiffe und die Weite der Lagune sei erlaubt. Die Aufgabe den deutschen Pavillon abzubrechen und durch einen neuen zu ersetzen soll die Architekten zu Statements anregen, eine Zustandsbeschreibung der deutschen Architektenszene zu präsentieren. Auch ein Anachronismus: Die Ausstellungsräume des deutschen Pavillons haben durch alle Zeiten seines Bestehens bewiesen, wie hervorragend diese Räume zu bespielen sind. In Zeiten Ressourcen schonender Konzepte widerstrebt es uns, auch wenn es nur ein Gedankenspiel ist, diesem Ort den Stempel von Heute aufzudrücken. Wir wollen die Chance der architektonischen Fingerübung nutzen die festgestellten Defizite zu benennen und darauf eine realistische Antwort zu finden. Zum Einen der Bezug zum Wasser: Ein dichter Pelz aus Gestrüpp und Bäumen verbunden mit der Ausrichtung aller Pavillons zur Allee in den Giardini lässt die Wasserkante als undurchdringliche Rückseite erscheinen. Biennalen sind heute mehr denn je ein Event bei dem die internationale Kunst/Architektur/Filmszene ihre Aufwartung macht. Der Kalender der Besucher wird von den Messen in Basel, Miami und London und den Biennalen geprägt. Diese Klientel kann in Venedig an vielen Stellen Gastronomie auf hohem Niveau erleben, jedoch in den Giardini prägen das labberige Brötchen und die Dose Cola light das leibliche Wohl. Es fehlt an einer anständigen Gastronomie in der Nähe der Kunst, um nicht zur Mittagszeit wieder in die Stadt zu müssen. Der Um_Bau des deutschen Pavillons ermöglicht der Biennale den Blick auf die Stadt und die Lagune in der Pause und allen Besuchern eine adäquate Versorgung. Die Deutschen als perfekte Gastgeber im Lande der Ciprianis und der besten Pasta der Welt. Hier würden wir der internationalen Kunstszene einen Dienst erweisen. Ein Letztes: in vielen Schriften wird ein Abbruch des deutschen Pavillons gefordert, da dieser in seiner rückwärtsgewandten Architektur die weltoffene, demokratische Bundesrepublik nicht repräsentieren könne. Diese Argumentation können wir nicht folgen und sehen darin auch keine Begründung für einen Abbruch. Dennoch wird der Um_Bau die Mittelachse imaginär verschieben.
"This is modern" - Deutsche Werkbundausstellung, 2014