Normalerweise hat jeder Ort in einer Stadt hat seine Gesetzmäßigkeiten. Die Dichte, die Art der Nutzung, die Bautypologien, die einen Ort prägen, sind über eine lange Zeit gewachsen und werden durch jede neue Baumaßnahme verändert, im besten Sinne befördert. Das Grundstück an der Lehrter Straße hat viele Jahrzehnte ein schattenhaftes Dasein geprägt. Eingerahmt von hohen, gesichtslosen Wohnbauten der 70er Jahre, durch die Mauer am Rand der Stadt gelegen prägte Beschaulichkeit das Grundstück in Moabit. Durch die Wende, den Fall der Mauer und die Neuplanung des Hauptbahnhofs in direkter Nachbarschaft hat der Ort eine dramatische Veränderung erfahren, die auf dem Grundstück im Moment keine Entsprechung findet. Das Potential zur Entwicklung ist rasant gestiegen. Die Aufgabe der Verdichtung auf dem Grundstück besteht darin, die Qualitäten des Ortes zu bewahren und dennoch der veränderten Lage Rechnung zu tragen. Unterschiedliche Nutzungen werden auf dem Grundstück untergebracht. Das Kongresszentrum, der Kirchraum, das Hotel und die Büronutzung sollen einerseits als Einzelfunktionen klar ablesbar sein, andererseits ist intendiert Synergieeffekte zwischen den Protagonisten zu ermöglichen. Von der Lehrter Strasse öffnet sich ein Platzraum, der als Empfangsraum für den gesamten Komplex dient. Der Kirchraum mit seiner ornamentalen Fassade fungiert als Zentrum der ganzen Anlage und ist sowohl mit dem Platzraum als auch mit dem dahinterliegenden großen Versammlungsraum zu verknüpfen und kann für Großveranstaltungen nach Außen und Innen geöffnet werden. Auch inhaltlich soll die Kirche als Zentrum gelesen werden. Die Diakonie und der Evangelische Entwicklungsdienst wollen in der Hauptstadt einen neuen Sitz bauen, der einerseits das Zusammenwachsen beider Institutionen ermöglicht und andererseits dem rasant wachsenden Markt der Büroimmobilien ein innovatives, nachhaltiges und werthaltiges Gebäude hinzufügt. Eine klare Adressbildung zur Lehrter Straße unterstreicht die Eigenständigkeit der Institution und dennoch steht sie in einem Bezug zum Ganzen. Auch wenn dies heute kein Thema ist, haben wir die Teilbarkeit in 400qm Einheiten vorgesehen, damit eine spätere Veräußerung der Immobilie oder auch eine Fremdvermietung ermöglicht werden kann. Das Zentrum am Hauptbahnhof kann alles: hier erfährt der Dienst am Menschen seinen administrativen Rückhalt, hier wird dem Schwachen auf ganz direkte Art geholfen und der Zusammenkunft von Menschen zu verschiedenen Themen Raum geboten. Dies alles aber geschieht unter einem geistlichen Konzept. Diese klare Hierarchie erfährt ihre räumliche Entsprechung in der Gewichtung der einzelnen Bauteile auf dem Grundstück. Bruttogeschossfläche (BGF): 34.750 qm
Zentrum am Hauptbahnhof Berlin, Büro- und Wohnhäuser mit Kirche, 2009 - 2010 Wettbewerb, 1. Preis